Wieviel Privat gibt es im Web überhaupt noch?
Deutschland diskutiert in den letzten Wochen bereits viel über einen Suchdienst und seine neuen Angeboten. Medien überschlagen sich mit Reportagen, Experten äußern sich dazu, aber auch der gewöhnliche User schreibt sich die Meinung von der Leber. Social Media macht’s möglich!
So auch viele Mitarbeiter von Unternehmen, die zum Beispiel in leitenden Funktionen agieren, veröffentlichen "private" Blogs und verbreiten so mehr oder weniger ihre persönliche Meinung. Ganz offiziell und professionell mit Foto, Mailadresse usw. Im besten Fall distanzieren sie sich im Impressum von ihrem Unternehmen mit Hinweisen wie „XY-Blog ist ein privater Weblog“ oder „Meine Funktion als Angestellter bei der XY AG und diesem privaten Blog stehen in keinem Zusammenhang…“.
Doch wie privat kann ein Mensch im Web heutzutage überhaupt noch sein, wenn man nur einen Klick von seinem Arbeitgeber entfernt ist? Geht es überhaupt noch als Internetmensch mit seiner Online-Reputation privat zu sein, ohne dass es automatisch in sein berufliches Tun fließt? Durch die Verknüpfung von Profilen in sozialen Netzwerken, ob private oder geschäftliche Inhalte, ergibt sich ein Gesamteindruck einer Person. Okay soweit. Man könnte auch unterschiedliche Namen benutzen, damit es schwieriger wird, die Daten einer einzigen Person zuzuordnen. Wechseln wir die Stufe und nehmen die Reputation eines Unternehmens. Woraus ergibt sich ein Persönlichkeitsbild von einem Unternehmen? Durch die Summe der Gesamteindrücke von Mitarbeitern (Persönlichkeiten) im Web? Oder eher durch das eigene Marketing- und PR-Verhalten? Es ist doch wohl von allem etwas.
Auch schon zu Pre-Internetzeiten gab es die Vorverurteilung einer ganzen Gruppe, auch wenn es nur ein Einzelner war, der etwas Schwerwiegendes verbockt hat. Einer für alle, alle für einen? Da interessiert es die Allgemeinheit der Leser kaum, ob er es als Mitarbeiter oder als Privatmensch getan hat. Es wird immer global über die gesamte Organisation bzw. Unternehmung gesprochen. Beste Beispiele gibt es in der näheren Vergangenheit genügend: große Bauobjekte im Rheinland, fehlerhafte Bauteile eines Transportunternehmens, Art und Weise wie Geldflüsse in eine humanitäre Organisation veranlasst wurden usw. usw. Sie denken jetzt nicht an Namen eines Einzelnen, oder?
Interessanterweise funktioniert es im positiven Sinne nicht so einfach. Also wenn jemand etwas sehr Herausragendes vollbracht hat, wird es nicht automatisch auf die ganze Gruppe übertragen. Jede öffentliche Person steht für ein Puzzleteil seines Unternehmens. Und öffentlich ist jeder, der bei der Marktführer-Suchmaschine gefunden wird. Denn die listet laut Wikipedia nur Informationen, die publik sind, also öffentlich und nicht privat.
Wenn ein Mitarbeiter eines Unternehmens also einen „rein privaten Blog“ veröffentlicht, kann er das wirklich privat tun? Wer ist der Blogger dann noch, wenn
- er alle Hinweise auf sein berufliches Wirken weglässt,
- nicht die gleichen Firmen-Fotos wie in Business-Netzwerken wie Xing oder LinkedIn benutzt oder
- sogar auf Links zu seinen Geschäftsprofilen verzichtet und
- auch in seiner Biografie alle Hinweise aufs Unternehmen streicht?
Der Wiedererkennungseffekt, die Reputationsgeschichte und somit das Renommee des Bloggers verlieren sich so gänzlich. Welchen Wert haben seine Aussagen zu Fach- oder Branchenthemen dann noch?
Die Grenzen verschwimmen oder eher die Abgrenzungen verschwinden. Niemand, der mit seinem realen Namen in Suchmaschinen gefunden wird, ist noch wirklich privat. Sondern stellt sich gänzlich mit seiner Person, seinen Aussagen sowie seinem Handeln seinem Publikum. Der Mensch steht in der Öffentlichkeit.
Ihre
Ilka Y. Hoepner
P.S. Sie finden mich auch in Twitter, Xing, Facebook & Co.!
Aus Gründen der Lesbarkeit wird die Ansprache wie z. B. der Blogger vereinheitlicht. Menschen beider Geschlechter sind natürlich gleichermaßen angesprochen.


